Veränderungen leben - leben mit Veränderungen
Im Laufe unseres Lebens ergeben sich permanent Veränderungen, wie zum Beispiel während unserer Tagesabläufe, sowohl im leiblichen Sinne, als auch im Rahmen unseres aktuellen Gefühlslebens, unserer Bedürfnisse und unseres Willens. Aber auch unsere Gedanken, unsere Fragen im Leben, unsere Bezugspersonen und unsere Tätigkeiten und Hobbies befinden sich in stetigem Wandel. Manche Veränderung geschieht unbemerkt, manche sehr rasch und manches verändert sich nur in größeren Zeitabschnitten. Bestimmte Veränderungen quälen uns ob deren Wirkung auf uns, oder weil wir damit nicht einverstanden oder glücklich sind.Veränderungen werden einerseits von außen an uns herangetragen, andererseits entstehen sie in unserem Inneren und wollen sich entfalten und entwickeln.
Können wir selbst bestimmen, ob und was sich verändert, so kommen wir zur Gestaltung unseres Lebens, unserer Umwelt und setzen Initiativen und Schritte der Veränderung. Werden Veränderungen von außen an uns herangetragen, so sprechen wir von Glück oder Unglück, von Schicksal oder von Absichten bestimmter Menschen.
Sich mit veränderten äußeren Bedingungen auseinanderzusetzen, entsprechende Antworten für sich zu entwickeln und zu finden, ist genauso wichtig für eine nachhaltige Gesundheit von Körper, Seele und Geist, wie Veränderungen aus dem eigenen Inneren heraus zu entdecken und zur Entfaltung zu bringen.
Wir erleben derzeit einen Zeitgeist, der sich bei vielen Menschen durch den Trend zur Individualisierung zu einem besonders hohen Lebenstempo und einer enormen Leistungsorientierung darstellt. Die natürlichen Rhythmen gehen weitgehend verloren und damit auch die Erholung nach einer Phase der Leistung. Viele Beeinträchtigungen und Erkrankungen basieren immer häufiger auf diesem Umstand.
„Rhythmus ersetzt Kraft“ kann uns eine gesunde Orientierung bieten.
Zusätzlich wird in den letzten Jahren kollektive Angst zunehmend zum lebensbestimmenden Aspekt. Aktuelle und drohende Terroranschläge nehmen uns ebenso den Atem wie die Vogel- oder Schweinegrippe. Dazu noch die Finanz- und Wirtschaftskrise, die ersparte Rücklagen ebenso angreift, wie die Sicherheit von Arbeitsplatz und Pension. Wir fühlen uns oft als Einzelperson bedroht, ausgeliefert und in der Entwicklung von Zukunftsperspektiven und daraus abgeleiteten Handlungen blockiert. Der aktive Umgang mit Veränderungen bietet hier einen Weg, aus der Verhärtung und Blockade herauszukommen.
Einerseits können wir uns mit unseren eigenen inneren Veränderungen (auf den Ebenen Leib, Seele, Geist) und Veränderungsprozessen auseinandersetzen. Lebensbegleitendes Lernen sichert den Bezug zur Gegenwart, vertieft das Lernen aus Erfahrungen und schafft somit Raum für visionsgeleitete Zukunftsaspekte. Die Steigerung unseres „Bewusst-Seins“, die aktive Auseinandersetzung mit unseren aktuellen Fragen und das Interesse am Neuen sind Lebenshelfer in unserer biograph- ischen Entwicklung – besonders auch in der Lebensmitte (von ca. 35 bis Ende 40).
Andererseits bietet die aktive Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen im näheren und ferneren persönlichen Umfeld die Möglichkeit, die eigene Gestaltungskraft zu üben und zu stärken und ermöglicht dadurch, leichter zu erkennen, zu hinterfragen, zu entscheiden, die Initiativkraft (weiter) zu entwickeln und konsequent im Handeln zu sein.
So gerüstet sind Veränderungen, die von außen an mich herangetragen werden, bestmöglich zu bewältigen. Ängste können eher durch bewusste Reflexion, durch innere Besinnung und durch Konkretisierung der Situation aufgelöst und bewältigt werden. In der Position der Starre überlasse ich die Initiative anderen Kräften. Das Geschäft mit der Angst ist in den letzten Jahren für manche Unternehmen und Politiker gut gelaufen – und das mit der Unterstützung etlicher Medien.
Kurt Lewin zeigt in seiner Beschreibung des Veränderungsprozesses den grundsätzlichen Ablauf: Zuerst ist die gegebene Situation „aufzutauen“: Fixierungen, Rahmenbedingungen und das „Normale“ werden durch innere Begeisterung zur Veränderung und durch Erkenntnis/Verständnis der Lage und Thematik in Bewegung gebracht. Dann werden im nächsten Schritt die neuen Möglichkeiten erarbeitet, unnötiges und veraltetes ausgeschieden. Es entsteht ein neues Bild des eigenen Lebensraumes und dessen Komponenten durch die sich laufend entwickelnde Veränderung. Im letzten Schritt werden die neuen Ansätze, Denkansätze, Verhaltensweisen und Tagesabläufe zur Gewohnheit. Die neue Situation ist nun nach Lewin wieder „einzufrieren“. Erst dann ist ein Veränderungsschritt wirklich geglückt.
Die zwei Sprüche „global denken – lokal handeln“ und „es ist besser, ein kleines Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu schimpfen“, können uns bei Veränderungen ein guter innerer Leitstern sein.

